Pop-Star im Badezimmer

Haben Sie persönliche Bad-Aversionen?
Oh, ja! Es gibt da so viele konventionelle Banalitäten. Nachdem ich viel Zeit in Hotels
verbringe, kann ich mit so gewollt antiquierten Bad-Interieurs nichts anfangen. Sie verursachen mir Albträume. Ich hasse auch diese angeblich so modernen „Schüsseln“, die als Waschbecken auf irgendeiner Platte stehen. Das gibt nur überall Wasserspritzer und ist überhaupt nicht funktional. Und ich verstehe auch nicht, dass es gerade im Badezimmer, wo man so nackt und verletzlich ist, so viele scharfe Ecken und Kanten geben muss.
Sie bevorzugen organische Formen gegenüber rechteckigen Winkeln, nicht wahr?
Ja, denn meiner Ansicht nach hat Minimalismus nichts mit rein platonischer Geometrie zu tun. Eine organische Formgebung kann sehr puristisch sein und zugleich sehr viel sinnlicher, weil das Amorphe viel mehr dem menschlichen Wesen entspricht.
Ihre Lieblingsfarbe ist Pink. Wie erklärt sich das?
Irgendjemand hat mal gesagt, dass ich es geschafft hätte, Pink maskulin zu machen. Für mich ist diese Farbe ein superoptimistisches Weiß. Ich trage viel Pink und Weiß, weil ich mich darin gut fühle. Ich bin nicht der schwarzgekleidete urbane Intellektuelle. Als Designer ist Weiß für mich wie eine Leinwand oder ein leerer Raum, der mit Leben gefüllt werden will: Schwarz, Weiß, Silbergrau, Pink, Orange und Limette sind die Farben meiner „Infostethic“.
In welcher Weise sind sie von der Pop-Art beeinflusst?
In den vergangenen Jahrzehnten gehörten Pop-Art, Op-Art, Illusionismus und Graffiti zur
Alltagskultur. Aber meine Designs sind auch inspiriert von der digitalen Welt, 3-D-Wahrnehmungund Techno-Rave. Darum nenne ich meinen Stil auch gerne „Digi-Pop“.
Was wäre Ihre Vision vom perfekten Badezimmer?
Ich wünschte mir Badezimmer mit Gummiwannen und wasserfesten Gummiböden. Alles sollte rund und weich sein, ohne Kanten und gerade Linien. Die Beleuchtung müsste Tageslicht, Mondschein, fluoreszierende Farben oder Disco-Flair auf Knopfdruck hervorzaubern können. Der Raum sollte permanent mit einem ganz individuellen Aroma beduftet werden können. Ein cleveres Badezimmer sollte deine vitalen Funktionen ständig digital analysieren, damit dein Gesundheits-Check auf dem neuesten Stand ist. Und Wasserhähne, Toilettenspülung und Lichtschalter sollten berührungslos funktionieren – wegen der Hygiene.
Was bedeutet das Badezimmer für Sie ganz persönlich?
Es ist der wohl intimste Bereich des Hauses, in dem ich Komfort und Leichtigkeit schätze. Ich brauche ungefähr 20 Minuten im Bad: Toilette, Dusche, Rasur, Haarbalsam, Gesichtscreme, After-Shave und wenig Eau de Toilette. Am glücklichsten bin ich, wenn ich den Morgenkaffee zusammen mit meiner Frau in der Dusche nehmen und ihren Körper mit wunderbaren Dingen einbalsamieren kann.
Bild: BÄDERWELT
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