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Eine Zeitreise durch die Balkongeschichte

Bunt bepflanzte und begrünte Balkone sind aus dem Bild unserer Städte nicht mehr wegzudenken.

 

Begehrtes Luxusobjekt: der Stadtbalkon

Balkone gelten heutzutage als begehrtes Refugium für gestresste Großstädter und fehlen als Wunschangabe in fast keinem Wohnungsgesuch. Im Laufe der Jahrhunderte haben Balkone noch viele andere Funktionen erfüllt: Sie dienten als Repräsentationsplattformen für Könige, Präsidenten und Revolutionäre, als architektonisches Schmuckelement oder aber auch als Wirtschaftsraum zum Wäsche aufhängen und Vorräte lagern.

Balkone als Fenster zur Außenwelt

Balkone lassen sich bis in die Zeit um Christi Geburt zurückverfolgen. Schon altrömische Wandmalereien bezeugen, dass an Bauten der Römischen Kaiserzeit überdachte Balkone üblich waren. In Indien nutzte man überdachte, aus Holz konstruierte Balkone und fand hinter kunstvoll gestalteten Gitterkonstruktionen Schutz vor der heißen Sonne. Im Orient ermöglichten die geschnitzten Gitterbalkone den arabischen Frauen eine Öffnung zur Welt, weil sie unbeobachtet dem Leben draußen zusehen konnten. Mit der Ausdehnung des Osmanischen Reiches gelangten diese Balkone auch in die Küstenländer des Mittelmeeres. Vor allem in Italien schmückten ab dem 16. Jahrhundert geradlinige Balkone die Adelspalazzi. Der Balkon hatte als schmückendes und repräsentatives Element der Fassadengliederung adeliger und herrschaftlicher Bauwerke eine rein architektonische Funktion.

Seit dem 19. Jahrhundert sind Balkone auch für den Volksgebrauch populär. Erst als sie zunehmend in die Planung bürgerlicher Bauten einbezogen wurden, übernahm das aufsteigende Bürgertum den französischstämmigen Ausdruck „Balkon“ in seinen Sprachgebrauch.

Naturidylle in der Stadt

Vor allem nach der Reichsgründung 1871 entstanden mit zunehmender Verstädterung viele neue großbürgerliche Mietshäuser mit Balkonen. Sie traten an die Stelle des eigenen Gartens; verkörperten zunehmend ein höchst privates Stück Natur in den Stadtzentren. Mehr noch, der Balkon, bisher nur äußeres Fassadenelement ohne funktionale Verbindung zum Wohnraum, fungierte als Schaltstelle zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit. Man entdeckte die Vorzüge eines begrünten Zimmers mit Ausblick: distanziert am öffentlichen Geschehen teilnehmen zu können und dennoch ungestört zu sein.

Blumenfreude in der Biedermeierzeit

Das Balkonsortiment der Gärtnereien, die heute eine Vielzahl von Pflanzen bereithalten, nahm im 19. Jahrhundert stark zu, als das Bürgertum mehr und mehr Gefallen an üppigem Blumenschmuck fand. Sogar kleine Gemüsezuchten sowie Kräutergärten waren beliebt. Ursprünglich war die Balkonbepflanzung zuerst in den Villenvororten üblich, beschränkte sich aber auf Kübelpflanzen. Kleine Oleander- oder Lorbeerbäumchen hatten in Kübeln ihren Platz, stark rankende Pflanzen begrünten die Mauern und auf den Brüstungspfeilern waren häufig Algarven in Steinschalen gepflanzt.

Balkonluft statt Hinterhoftristesse

Als ebenfalls im 19. Jahrhundert Arbeitersiedlungen in großem Stile errichtet wurden, begannen Architekten und Wohnungsbaugenossenschaften zur Auflockerung der tristen Fassaden Balkone als Standardelemente in ihre Planungen zu übernehmen. Der Balkon erfüllte sowohl eine gesundheitsfördernde als auch eine soziale Funktion. Arbeiter, Hausfrauen und Kinder nutzten ihn zum Erholen, Wäsche trocknen und Spielen. Durch die Möglichkeit, Sonne und Luft auf einigen Quadratmetern ungestört zu genießen, hatte er einen positiven Effekt auf die Volksgesundheit. Als Ort unverhoffter Kommunikation mit den Anwohnern war er oft ein erster Schritt auf dem Weg zu mehr nachbarschaftlicher Gemeinschaft.

Das grüne Wohnzimmer im Freien

Heutzutage steht der blühende Balkon als Ort der Geselligkeit, der Romantik und der Erholung hoch im Kurs. Er ist mangels anderer Grünflächen für viele Städter eine gute Gelegenheit, sich ausgiebig mit Pflanzen zu beschäftigen. Der üppig blühende und nach eigenen Vorstellungen geschaffene Balkongarten stellt außerdem vom Frühjahr bis zum Herbst eine Erweiterung des Lebensraums dar. In diesem grünen Wohnzimmer lässt sich das Wachsen und Blühen von Pflanzen aus der Nähe beobachten, die Sonne anbeten oder in lauen Sommernächten mit Freunden oder dem Partner gemütlich feiern und das Leben genießen.

 

Bild: CMA

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