Einen blumigen Sonnenkuss für meine Traumfrau!
Gut, ich hatte nicht aufgeräumt, unser Garten sah mittlerweile auch etwas verwildert aus und mit den Anordnungen auf dem Einkaufszettel hatte ich es nicht so genau genommen – aber wieso kann man denn nicht spontan Möhren kaufen anstelle von Paprika, wenn die gerade im Angebot sind? Und zur Krönung warf mir mein Liebling gleich noch vor: „Wenn du schon spontan kaufst, kannst du ja auch mal an mich denken. Und sag jetzt nicht, wieso Geld für Blumen ausgeben, wenn die eh so schnell verblühen! Am Anfang war ich es dir wert. Aber nach fünf Jahren ist das ja wohl zu viel verlangt?!“ Tja, richtig, die Blumen hatte ich seit langem einfach übersehen (standen ja auch nie auf dem Einkaufszettel!), aber sind die denn wirklich so wichtig? Dass ich meine Julia über alles liebe, steht doch außer Frage!
Redest du mit mir?
Die letzte Nacht mit einer schmollenden Julia auf dem Sofa hat mir zu denken gegeben. Einsam und schlaflos in unserem großen Bett hatte ich genug Zeit, über das Wesen von Männern und Frauen zu grübeln. Ich sei unromantisch, lautete ein Vorwurf. Ich? – Mitnichten! Es ist ja nicht so, dass Männer nicht romantisch sein können. Wir verstehen nur manchmal den hohen Stellenwert nicht, den diese Gefühle für Frauen haben. Da ich eh nicht schlafen konnte, habe ich ein bisschen im Internet gesurft und über Männer und Frauen gegoogelt. Jetzt bin ich schlauer: Männer und Frauen sprechen wirklich manchmal andere Sprachen. Mein typisch männliches Gehirn ist nun einmal auf das Technische programmiert, nicht auf das Ästhetische. Scheinbar habe ich einfach unterschätzt, welche Bedeutung es für eine Frau – sprich auch meine Julia – hat, wenn Mann ihr z. B. die Tür aufhält, ihr Blumen schickt, mit ihr tanzt, für sie kocht oder – profan, aber wahr – eine neue Rolle Klopapier in den Halter legt. Bevor ich gegen Morgengrauen doch noch wegschlummere, steht mein Entschluss fest: Heute Abend starte ich ein Julia-Verwöhnprogramm!
Auf die Blume gekommen
13 Stunden später sehen unser Garten, unsere Wohnung und der Kühlschrank völlig verändert aus. Manchmal muss man Prioritäten setzen, also werden Zahnschmerzen vorgeschützt und ich bin früher als sonst zu Hause. Schnell Julias Kaffeetasse (sie war schon weg, als ich aufstand) und das restliche Geschirr gespült, gesaugt, das Bad geputzt und das Altpapier weggeräumt. Sieht doch schon viel besser aus! Meine Jeans in die Wäsche und schnell die leere Klorolle von heute morgen ausgewechselt – wir sind ja lernfähig! Auch im Garten sehe ich nach dem Rechten, zupfe hier etwas Unkraut, knipse Verblühtes ab und gieße. Unter der Dusche durchzuckt mich der Gedanke: BLUMEN!! Nicht vergessen! Dunkel kann ich mich an einen Floristen an unserer Straßenseite erinnern – ob er wohl jetzt noch auf hat? Außer Atem stehe ich vor seiner Tür und überlege nicht lange: „Einen Strauß roter Rosen bitte“. Zu Hause angekommen schlendere ich durch unseren Garten und dort überkommt es mich angesichts der Blütenfülle – er ist wie ein Blumenselbstbedienungsladen: Ich hole mir ein Messer und schneide Julia einen wild-romantischen Blumenstrauß zusammen. Blauer Rittersporn, rote Brennende Liebe (wie passend!), lila Glockenblumen, gelbe Schafgarbe, weiße Margeriten, gelbe Ringelblumen und Mädchenaugen fügen sich zu einem dichten Blütenpotpourri zusammen. Noch ein paar lange Grashalme dazu (wie gut, dass ich den Rand noch nicht gemäht habe!) und die roten Rosen malerisch dazwischen drapiert – wer sagte, ich hätte keinen Sinn für Ästhetik?
So schön kann Küssen sein
Nach den 19 Uhr-Nachrichten werde ich langsam unruhig. Jetzt sitze ich also hier auf der Terrasse, ich armer Sünder, und bin aufgeregt wie vor dem ersten Date. Der Salat ist fertig, der Tisch mit allem drum und dran gedeckt (auch die schöne Blumenvase habe ich im Schrank gefunden!), das Baguette ist aufgeschnitten, der Käse und der Wein wohl temperiert – fehlt nur noch die Starbesetzung! Ob sie sich wohl freut? Warum kommt sie denn nicht, ob sie es wirklich ernst meint? Eine Kälte schleicht mir ins Herz, habe ich etwa Vorzeichen übersehen? Gedankenverloren fange ich an, eine der Ringelblumen zu zerpflücken: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich...“ – da, der Schlüssel knirscht im Schloss, die Tür geht auf, ich höre Julias Stimme: „Schatz, wo bist du, bist du da? Sorry, aber gerade heute war Stau auf dem Zubringer, dabei wollte ich so schnell nach Hause! Denn ich muss dir ganz dringend etwas sagen: Auch wenn du mich manchmal wahnsinnig machst, ich liebe dich!“ Fünf Schritte und da stehe ich auch schon vor ihr, im Arm den bunten Sommerblumenstrauß mit der halben Ringelblume, unendlich erleichtert, murmele ein verliebtes „Hallo schöne Frau“ und registriere ihren erfreuten Blick. Dann sage ich – männlich wie ich bin – einfach gar nichts mehr. Kann ich auch nicht, denn der Kuss dauert ganz schön lange ...
Bild: CMA
bauen. wohen. leben. www.homesolute.com
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Die letzte Nacht mit einer schmollenden Julia auf dem Sofa hat mir zu denken gegeben. Einsam und schlaflos in unserem großen Bett hatte ich genug Zeit, über das Wesen von Männern und Frauen zu grübeln. Ich sei unromantisch, lautete ein Vorwurf. Ich? – Mitnichten! Es ist ja nicht so, dass Männer nicht romantisch sein können. Wir verstehen nur manchmal den hohen Stellenwert nicht, den diese Gefühle für Frauen haben. Da ich eh nicht schlafen konnte, habe ich ein bisschen im Internet gesurft und über Männer und Frauen gegoogelt. Jetzt bin ich schlauer: Männer und Frauen sprechen wirklich manchmal andere Sprachen. Mein typisch männliches Gehirn ist nun einmal auf das Technische programmiert, nicht auf das Ästhetische. Scheinbar habe ich einfach unterschätzt, welche Bedeutung es für eine Frau – sprich auch meine Julia – hat, wenn Mann ihr z. B. die Tür aufhält, ihr Blumen schickt, mit ihr tanzt, für sie kocht oder – profan, aber wahr – eine neue Rolle Klopapier in den Halter legt. Bevor ich gegen Morgengrauen doch noch wegschlummere, steht mein Entschluss fest: Heute Abend starte ich ein Julia-Verwöhnprogramm!
Auf die Blume gekommen
13 Stunden später sehen unser Garten, unsere Wohnung und der Kühlschrank völlig verändert aus. Manchmal muss man Prioritäten setzen, also werden Zahnschmerzen vorgeschützt und ich bin früher als sonst zu Hause. Schnell Julias Kaffeetasse (sie war schon weg, als ich aufstand) und das restliche Geschirr gespült, gesaugt, das Bad geputzt und das Altpapier weggeräumt. Sieht doch schon viel besser aus! Meine Jeans in die Wäsche und schnell die leere Klorolle von heute morgen ausgewechselt – wir sind ja lernfähig! Auch im Garten sehe ich nach dem Rechten, zupfe hier etwas Unkraut, knipse Verblühtes ab und gieße. Unter der Dusche durchzuckt mich der Gedanke: BLUMEN!! Nicht vergessen! Dunkel kann ich mich an einen Floristen an unserer Straßenseite erinnern – ob er wohl jetzt noch auf hat? Außer Atem stehe ich vor seiner Tür und überlege nicht lange: „Einen Strauß roter Rosen bitte“. Zu Hause angekommen schlendere ich durch unseren Garten und dort überkommt es mich angesichts der Blütenfülle – er ist wie ein Blumenselbstbedienungsladen: Ich hole mir ein Messer und schneide Julia einen wild-romantischen Blumenstrauß zusammen. Blauer Rittersporn, rote Brennende Liebe (wie passend!), lila Glockenblumen, gelbe Schafgarbe, weiße Margeriten, gelbe Ringelblumen und Mädchenaugen fügen sich zu einem dichten Blütenpotpourri zusammen. Noch ein paar lange Grashalme dazu (wie gut, dass ich den Rand noch nicht gemäht habe!) und die roten Rosen malerisch dazwischen drapiert – wer sagte, ich hätte keinen Sinn für Ästhetik?
So schön kann Küssen sein
Nach den 19 Uhr-Nachrichten werde ich langsam unruhig. Jetzt sitze ich also hier auf der Terrasse, ich armer Sünder, und bin aufgeregt wie vor dem ersten Date. Der Salat ist fertig, der Tisch mit allem drum und dran gedeckt (auch die schöne Blumenvase habe ich im Schrank gefunden!), das Baguette ist aufgeschnitten, der Käse und der Wein wohl temperiert – fehlt nur noch die Starbesetzung! Ob sie sich wohl freut? Warum kommt sie denn nicht, ob sie es wirklich ernst meint? Eine Kälte schleicht mir ins Herz, habe ich etwa Vorzeichen übersehen? Gedankenverloren fange ich an, eine der Ringelblumen zu zerpflücken: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich...“ – da, der Schlüssel knirscht im Schloss, die Tür geht auf, ich höre Julias Stimme: „Schatz, wo bist du, bist du da? Sorry, aber gerade heute war Stau auf dem Zubringer, dabei wollte ich so schnell nach Hause! Denn ich muss dir ganz dringend etwas sagen: Auch wenn du mich manchmal wahnsinnig machst, ich liebe dich!“ Fünf Schritte und da stehe ich auch schon vor ihr, im Arm den bunten Sommerblumenstrauß mit der halben Ringelblume, unendlich erleichtert, murmele ein verliebtes „Hallo schöne Frau“ und registriere ihren erfreuten Blick. Dann sage ich – männlich wie ich bin – einfach gar nichts mehr. Kann ich auch nicht, denn der Kuss dauert ganz schön lange ...
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