Der Senkgarten
Senkgärten in Potsdam
Beim Blättern in alten Gartenbüchern taucht immer wieder der Begriff Senkgarten auf. In England waren sie um die Jahrhundertwende modern, Staudenaltmeister Karl Foerster entwickelte sie zur Perfektion. Berühmtheit erlangte vor allem der Senkgarten in den Schauanlagen, die er seiner Gärtnerei in Potsdam-Bornim angliederte. Zur Bundesgartenschau Potsdam 2001 wurde die Anlage restauriert und darf wieder besichtigt werden.
Architektonische Meisterwerke
Der Kontrast zwischen der architektonischen Strenge des rechteckigen Gartenelements und der überquellenden Pflanzenfülle machte für Karl Foerster den Reiz das Senkgartens aus. Heutigen Gärten mit ihrem begrenzten Raum können sie darüber hinaus zu opti-scher Größe und zu mehr Platz für die Pflanzen verhelfen. Das Prinzip ist denkbar einfach. In seinem Buch “Der Steingarten der sieben Jahreszeiten“ umreißt Karl Foerster die Anlage wie folgt: “Teils aus Windschutzgründen, teils aus Beschaulichkeit versenkt man in der Nähe des Hauses einen kleineren Platz, der ringsherum in flachen Steingartenterrassen wieder zu normaler Gartenhöhe aufsteigt und manchmal auch - noch tiefer in das Bodenniveau eingelassen - ein Ufer- und Wassergärtchen enthält“.
Die verschiedenen Ebenen, die so entstehen, lassen auch den kleinen Reihenhausgarten größer erscheinen als er in Wirklichkeit ist. Die schrägen Böschungen bieten zusätzliche Pflanzflächen, auf denen sich nicht nur die winzigen Vertreter der alpinen Flora wohlfühlen.
Pflanzenfülle zwischen Fugen und Ritzen
Im Idealfall sind es Trockenmauern, die das Karree des Senkgartens einfassen. In ihren Fugen haben Pflanzen Platz, die es steinig lieben. Sie quellen schon nach kurzer Zeit des Einwachsens aus Fugen und Ritzen, fallen in Schleppen über die Steine herab und setzen lebendige Farbigkeit gegen die Strenge der Steine. Ob Kalksandstein, Schiefer, Klinker oder schlichte Betonsteine zu Trockenmauern aufgeschichtet werden, ist eine Frage von Geldbeutel und Geschmack. Auf jeden Fall sollte der Stein mit dem sonst verwendeten Material harmonieren. In sanfter Neigung werden die Steine ohne verbindenden Mörtel verlegt und stützen so das dahinter liegende Erdreich ab.
Südseitenschönheiten
Dank der eckigen Form ist jede Seite des Quadrats oder Rechtecks in anderer Weise der Sonne ausgesetzt und besitzt ihr eigenes Klima, in dem jeweils andere Pflanzen gedeihen. Die trockene Hitze der Südseite lieben Thymian-Arten und Prachtscharte (Liatris), Gartennelken, Silberdistel und Kissenastern. Sogar die hohen Königskerzen (Verbascum) können sich - geschickt platziert - in die Fugen drängen. Wer Heidegärten liebt, pflanzt Eriken, Besenheide und Ginster, Andromedaheide, Kriechweide und Kugelblümchen (Globularia) auf die Sonnenseite.
Auf der Nordseite machen sich Farne in den Fugen breit: Reizvoll ist der kleine Schriftfarn (Asplenium ceterach) oder der Pfauenradfarn (Adiantum pedatum).
Farben in Hülle und Fülle
Rhododendron-Liebhaber sparen für niedrige Sorten Platz in der Mauer aus. Glockenblumen passen dazu, Fingerhut und Sauerklee. Sogar Freunde des Farbgartens müssen im Senkgarten nicht zu kurz kommen. Sie dürfen z. B. mit niedrigem Wermut (Artemisia schmidtiana ‘Nana’), Enzian-Arten, Staudenlein, Heuchera und Sonnenröschen (Helianthemum) im Silber-Blau-Rot-Dreiklang schwelgen.
Dass sich am Grunde einer Gelände-Mulde Wasser sammelt, erscheint logisch. Daher bietet sich die Anlage eines Teiches auf der unteren Ebene des Senkgartens an. Auch er sollte streng geformt sein und könnte als klarer Spiegel das bunte Bild der Blüten ringsum wider geben oder selbst Pflanzen wie Seerosen, Hechtkraut und Gauklerblumen beherbergen. Auch eine streng gefasste Rasenfläche passt auf die unterste Ebene. Hier kann ein geschützter Sitzplatz inmitten von Blüten entstehen.
Bild: CMA
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