Auf dem Holzweg!

Selten habe ich so ungeduldig auf den Mai gewartet. Seit wir unserem Garten im vergangenen Jahr eine Schönheitskur gegönnt haben, leben wir - sobald die Sonne scheint - mehr draußen als drinnen. Unser Garten ist zum zweiten Wohnzimmer geworden.

Früh stehe ich mit dem ersten Kaffee schon auf der Terrasse und staune wieder einmal, wie schön es hier geworden ist! Die Natur explodiert geradezu: Der Zierapfel ist über und über mit weißen Blüten bedeckt, der zartlila getönte Flieder duftet. Gleich schneide ich ein paar Zweige für die Vase.

Nach dem Hausbau hatten wir Hecke und Rasen ja eigentlich nur provisorisch angelegt, aber dann blieb uns diese grüne Langeweile jahrelang erhalten. Die Erbschaft im vergangenen Jahr kam zum richtigen Zeitpunkt, denn damit haben wir uns manchen lang gehegten Traum erfüllt. Die beste Investition aber ist eindeutig unser Garten, denn den nutzen wir jeden Tag.

Unter der mit Wein bewachsenen Pergola sitzt es sich wie im Süden. Jetzt im Frühjahr lassen die Ranken mit ihren frischgrünen Blättern noch Sonne durch, die Haut bekommt wieder Farbe. Im Hochsommer, wenn es richtig heiß wird, wirkt das dichte Blätterdach wie ein lebendiger Sonnenschirm: Ein richtiges grünes Gartenzimmer, ganz luftig. Auf den Ertrag unserer Weinlese freue ich mich schon heute.

Jetzt, wo die Kinder größer sind, habe ich endlich meinen Wassergarten. Mit gurgelnder Quelle, plätscherndem Bachlauf und Schwimmteich. Auf dem Holzdeck können wir uns nun in der Sonne räkeln. Fast wie am Meer! Ein Steg schwebt über dem Wasser, die Kinder sitzen hier stundenlang und beobachten, was im und am Wasser so alles los ist. Jetzt verstehe ich auch, warum „Libelle“ im vergangenen Jahr von Kindern zum schönsten deutschen Wort gewählt wurde. Meine Jungs wissen jetzt, dass die Tiere genau so schön aussehen, wie sie heißen. Beim Material für Deck und Steg haben wir uns für Robinienholz entschieden, das macht uns in Zukunft wenig Arbeit: Es ist hart genug, dass es auch ohne Imprägnierung auskommt.

Teerosenzeit
Weil wir es gerne pflegeleicht haben wollten, sind auch die Rankhilfen im Rosengarten aus Hartholz. Riesig ist unser „Rosarium“ nicht, aber mit Klettergerüsten und Rosenbögen wurde es einfach in die Höhe gebaut! Ein wenig dauert es noch, bis Clematis und Kletterrosen ihre volle Pracht entfalten, ob Ton in Ton in Karminrot oder mit dem kräftigen Kontrast von tiefem Violett und strahlendem Weiß. Jetzt, kurz bevor die ersten Rosen blühen, leuchten im Beet noch die letzten Tulpen vor dem immergrünen Hintergrund der dunklen Eibenhecke. Letztes Jahr in England habe ich zum ersten Mal gesehen, was man aus Eiben alles formen kann: Kegel, Pyramiden, selbst riesige Skulpturen lassen sich daraus schneiden. Unser Landschaftsgärtner hat gezaubert und aus der struppigen Hecke einen ruhigen Hintergrund für meine angehende Rosensammlung geschaffen. Dieses Jahr baut er noch einen kleinen Pavillon. Für eine stilvolle Tea-Time am Nachmittag, für mich und meine Englischen Rosen.

Kein Schattendasein
Am anderen Ende des Grundstücks, unter den Bäumen, gibt es jetzt noch einen Sitzplatz, um unser neu geschaffenes Gartenparadies auch einmal aus einer anderen Perspektive genießen zu können. Eigentlich hätte ich auch hier gerne eine Holzterrasse gehabt, aber der Landschaftsgärtner hat mir davon abgeraten. Im Schatten ist es einfach zu feucht, und in Verbindung mit nassem Herbstlaub wird das Material schnell gefährlich rutschig. Statt dessen hat er eine runde Pflasterfläche aus Naturstein verlegt, zusammen mit einer kleinen Stützmauer, die sich in die Böschung einfügt. Im Halbschatten war die Bepflanzung keine leichte Aufgabe, meine ersten Versuche sind kläglich gescheitert. Aber wir haben nun gemeinsam standortgerechte Pflanzen ausgewählt, die hier prächtig gedeihen. Die Buchsbaumkugeln und Hortensienbüsche greifen die runde Form der Pflasterung auf, und der rote Fächerahorn und die Rhododendronblüten leuchten aus dem üppigen Grün heraus.

Die Investition hat sich gelohnt. In den Jahren davor haben wir nie so viel Zeit im Freien verbracht. Mein Mann war ja zunächst sehr skeptisch und der Meinung, Geld für den Garten auszugeben lohne sich nicht. Aber seit er gesehen hat, dass auch unsere Freunde und Nachbarn von unserem neuen Garten begeistert sind, ist er mächtig stolz. Mehr noch, jetzt tut er so, als sei das alles seine Idee gewesen.

Der Balkon vor dem Schlafzimmer ist als Nächstes an der Reihe. Es wird eine moderne Konstruktion aus Stahl, und natürlich einen Boden aus Holz geben, denn ich möchte nicht barfuß auf kalten Fliesen stehen.

Dieses Jahr würde ich am liebsten gar nicht in Urlaub fahren. Im Winter sind mir noch ein paar Ideen gekommen ...
 
Bild: BGL
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