Wie das Haus einbruchsicher wird

Alle zwei Minuten wird in Deutschland eingebrochen. Trotz dieser alarmierenden Statistik beherrschen drei populäre Irrtümer das Thema.

Irrtum Nummer eins: "Mir passiert schon nichts...". Wohl dem, der nicht so denkt. Denn man muss keineswegs in einer Prunkvilla residieren, um kriminelle Elemente anzulocken. Ganz abgesehen davon, dass zum materiellen Schaden zumeist auch der Verlust des Sicherheitsgefühls kommt. Gegen die oft unterschätzten psychischen Folgen eines Einbruchs hilft dann auch der zweite weitverbreitete Trugschluss  "Ich bin ja versichert" - nicht. Zumal Versicherungen im Schadensfall wohl kaum persönliche Erinnerungsstücke ersetzen können. Fatal ist auch der dritte große Irrglaube: "Einbrecher sind meist nachts unterwegs und kommen ohnehin überall rein." Im Gegenteil: Einbrecher achten vor allem darauf, dass niemand zu Hause ist - was gerade tagsüber oft der Fall ist, auch wenn sie sich in der Winterzeit gern den Schutz der Dämmerung zunutze machen. Wer einen sichtbaren Einbruchschutz installiert hat, erhöht zudem seine Chancen, nicht ausgeraubt zu werden: Denn die Täter haben es verständlicherweise eilig und erkennbare Sicherheitsmaßnahmen wirken abschreckend. Was also sollten Hausbesitzer tun?

Bestimmt ist die Installation eines elektronischen Sicherungssystems mit Aufschaltung zur Polizei oder einer Sicherheitsfirma grundsätzlich eine sinnvolle Maßnahme. Der erste Schritt sollte jedoch die Verbesserung des mechanischen Einbruchschutzes sein. Wer sich die Schwachstellen eines Einfamilienhauses ansieht, stellt schnell fest, dass Fenster und Türen an Terrasse oder Balkon der Knackpunkt Nummer eins sind. Einmal aufgehebelt, sind sie für versierte Täter kaum ein Hindernis. Rund 41 Prozent der Hauseinbrüche geschehen nach einer Statistik des Bayerischen Landeskriminalamtes über Terrassen- und Balkontüren, weitere 29 Prozent über die Erdgeschossfenster.

Nachrüstung preiswert und effektiv

Die Nachrüstung einer zusätzlichen Einbruchsicherung muss weder teuer noch kompliziert sein. So beziffert etwa die bundesweite Initiative für aktiven Einbruchschutz. Nicht bei mir!? die Kosten für Nachrüstungen wie folgt: Eine neue, komplett einbruchhemmende Haustür gibt es ab ca. 1.500 Euro, die Nachrüstung einer Haustür (Sicherheitsschließblech, neuer Schließzylinder u.ä.) ab ca. 750 Euro, ein neues Fenster (einbruchhemmend) oder die Nachrüstung eines Fensters (etwa mit Zusatzschlössern und Bandsicherung) jeweils ab ca. 200 Euro. Zum Vergleich: Ein gutes, funkgesteuertes Alarmsystem mit Bewegungsmeldern und Raumüberwachung schlägt mit mindestens 2.500 Euro zu Buche.

Beim Neubau Einbruchschutz einplanen

Bei Neubauten sollte der nötige Einbruchschutz sinnvollerweise schon bei der Planung berücksichtigt werden. Was leider kaum geschieht: Untersuchungen ergaben, dass von den rund 132.000 im Jahr 2003 fertiggestellten Einfamilienhäusern weniger als ein Prozent über das Minimum an Einbruchsicherung verfügen! Eine Nachlässigkeit, die fatale Folgen haben kann. Folgen, die leicht zu verhindern wären: Schließlich bedeutet das Basis-Sicherheitspaket für ein normales Einfamilienhaus Mehrkosten von gerade mal 1.500 bis höchstens 2.500 Euro.

Ob Vorbauplanung oder Nachrüstung, auf einige Sicherungen sollte man in keinem Fall verzichten. Dazu gehören - vor allem bei Etagenwohnungen - der Türspion, ein Sperrbügel als Türspaltsicherung, von außen nicht abschraubbare Sicherheitsbeschläge an Türen und Fenstern sowie Gitterabsicherungen für Kellerfenster oder Lichtschächte. Der Schließzylinder der Tür ist zwar weniger wichtig als ein Sicherheitsbeschlag, der ihn davor schützt, herausgerissen oder abgebrochen zu werden. Veraltete Buntbartschlösser sollte man aber austauschen, am besten gegen Zylinder mit Schlüsselkarte vom Hersteller. Als Lösung bei oft zu schwachen Türscharnieren bieten sich mit Mauerankern in der Wand befestigte Hinterhaken an, die beim Schließen in das Gegenstück im Türrahmen greifen. Bei zweiflügeligen Türen ist ein Stangenschloss zu empfehlen, das beide Flügel nach oben und unten verriegelt. Bei den häufig zu kleinen Schließzapfen an Fenstern helfen einbruchhemmende Beschläge oder  etwa im Rahmen einer Sanierung  gleich einbruchhemmende Fenster.

Wer mit diesen mechanischen Sicherungsmaßnahmen sein Haus widerstandsfähig gegen Eindringlinge macht, kann sich gegebenenfalls auch über die Installation eines zertifizierten elektronischen Alarmsystems Gedanken machen. Übrigens: Die Kriminalpolizei bietet kostenlose Beratungen in Sachen Haussicherheit an - auch vor Ort.

Bild: Schwäbisch Hall
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