Konstruktive Vielfalt

Kannte man früher beim Bauen mit Holz lediglich das Block- und Fachwerkhaus, so hat sich in den vergangenen 80 Jahren im Zuge der zunehmenden Industrialisierung eine Vielzahl von konstruktiven Möglichkeiten entwickelt.

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Holzrahmenbau
Bei diesem System werden die Elemente aus Massivholzrahmen - zumeist Konstruktionsvollholz - mit einer Beplankung aus Holz- oder Gipswerkstoffen ausgeführt. Für die Anordnung der senkrechten Rahmenhölzer im Konstruktionsraster sind Abstände von 62,5 cm oder 81,5 cm üblich. Im Gefüge von Wand, Decke und Dach nimmt das Tragwerk aus Rahmen und Beplankung trotz seines geringen Gewichts sämtliche Lasten aus Zug- und Schubkräften auf, dennoch sind die Positionen von Fenstern und Türen, unabhängig vom Konstruktionsraster, frei wählbar. Die Elemente für Wände, Decken, teilweise auch für das Dach werden vorgefertigt und dann vor Ort in etwa zwei bis drei Tagen montiert. Bis zur kompletten Fertigstellung vergehen ca. acht Wochen.

Holztafelbau

Diese mit dem Holzrahmenbau eng verwandte Bauweise wenden die meisten Fertighaushersteller an. Auch der Holztafelbau folgt dem Prinzip von Rahmen und Beplanung. Ein wesentlicher Unterschied zum Holzrahmenbau liegt im höheren Grad der Vorfertigung: Die Bauteile erhalten schon im Werk die Dämmung in den Gefachen der Rahmen-konstruktion, die beidseitig mit der Beplankung geschlossen wird. Die Leitungsführung für die Haustechnik sowie die Vorrüstungen für die späteren Installationen sind ebenfalls schon integriert. Auch Fenster und Außentüren sind vormontiert.

Holzskelett- oder Holzständerbau

Senkrechte Stützen und waagerechte Träger bilden das Trageskelett und geben dieser Holzbauweise ihren Namen. Charakteristisch sind große Stützen- oder Ständerabstände von bis zu fünf Metern und die häufige Verwendung von Brettschichtholz für diese Elemente. Die ergänzenden tragenden Hölzer wie Dachbalken und -sparren bestehen meist aus Konstruktionsvollholz. Der markanteste Unterschied zum Holzrahmen- und Holztafelbau liegt darin, dass die Beplankung und Verkleidung der Wände nicht aussteifend wirkt, so dass ihnen keinerlei Tragefunktion zukommt. Stattdessen übernehmen Holzstreben oder Stahlverspannungen die Sicherung des Baukörpers gegen horizontale Kräfte. Insgesamt ergibt sich daraus die Möglichkeit, Wände an beliebiger Stelle einzuziehen oder wegzulassen und somit Grundrisse frei zu gestalten. Offenes Wohnen, fließende Raumübergänge, lichte Höhen und die bewusst sichtbare Skelettkonstruktion sind typisch für diese Bauweise und schaffen individuelle Innenräume mit einer unverwechselbaren Anmutung.

Massivholzbau

Während Holzrahmen-, -tafel- und -skelettbauweise moderne Weiterentwicklungen des Fachwerkhauses darstellen, ist der älteste Vertreter des Massivholzbaus das Blockhaus. Das Prinzip des Blockhausbaus findet noch immer Anwendung, hat sich jedoch den Erfordernissen des modernen Bauens angepasst. Horizontal übereinander gelegte Block-balken, Rundhölzer, Stämme oder Brettstapel, zumeist verbunden durch Verzahnung, Verleimung, Nägel oder Nut und Feder sind die gängigsten Ausführungsformen der Massivbauweise. Für Passgenauigkeit auf den Millimeter sorgen computergestützte Herstellungsverfahren. Den bereits guten Wärmeschutz der massiven Holzbauteile unterstützt eine Wärmedämmschicht, die außen oder innen an den Wänden angebracht wird. Aus bauphysikalischen Gründen werden oft mehrschalige Wandaufbauten realisiert. Eine Variante ist die doppelte Blockbohlenwand, deren Hohlraum mit Korkschrot, Hanf oder Schafwolle verfüllt werden kann. Eine Außen- oder Innenwanddämmung ist hier nicht mehr erforderlich. Die zunehmende Differenzierung der Herstellungstechniken führt im Ergebnis zu Massivholzhäusern mit variantenreichen Ausgestaltungen. Somit ist die Vorstellung, durch und durch aus Holz gebaut, sei gleich zu setzen mit Barackenbau, längst nicht mehr zeitgemäß.

Bild: LBS
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