Stromräubern auf der Spur

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Und viele ahnungslose Bewohner machen sich Tag für Tag der Beihilfe schuldig- haben keine Ahnung, wie viel Strom sie verbrauchen, geschweige denn, wie viel sie einsparen könnten, ohne auf Komfort zu verzichten.
Rund Dreiviertel ihres Endenergieverbrauchs wenden deutsche Privathaushalte immer noch für ein behaglich warmes Zuhause auf. Dank besserer Wärmedämmung sowie effizienter Heizungs- und Lüftungstechnik wird dafür jedoch immer weniger kostbare Energie ?vergeudet?. Damit gewinnt der Anteil anderer Energie- bzw. Stromverbraucher im Haus an Bedeutung.
Besonders beim Einkauf von Elektro-Großgeräten wie dem Kühlschrank lohnt sich ein Vergleich nicht nur von Preisen. Denn selbst wenn Faktoren wie Qualität und Langlebigkeit außer Acht gelassen werden, kann sich ein auf den ersten Blick teureres Gerät durchaus rechnen: Der Bund der Energieverbraucher (BDE) warnt vor ?Stromfressern?, die im Laufe ihres 10- bis 15-jährigen Lebens Strom für bis zu 500,- Euro mehr verbrauchen als besonders sparsame Modelle.
Vor allem bei Geräten, die im Dauereinsatz sind, fallen selbst kleine Unterschiede im Bereich hinter dem Komma deutlich ins Gewicht: Benötigt ein Kühlschrank pro Tag nur 0,10 kWh mehr Strom, addiert sich dieser Betrag bei einem angenommenen Strompreis von 15 Cent pro kWh über eine Nutzungszeit von 15 Jahren auf rund 80 Euro hoch. An die Stromrechnung sollte man auch denken, ehe man ein geschenktes, gebrauchtes Gerät ans Netz anschließt. Die Mehrkosten für den Stromverbrauch können sich über die Jahre zu einem höheren Gesamtpreis summieren, als ein neues, sparsames Gerät gekostet hätte.
Tipps von Energieagentur
Hilfestellung bei solchen Fragen mit vielen Rechenbeispielen gibt die Broschüre ?Mehr Licht ... weniger Strom!? der Energieagentur NRW. Der Verbrauch des alten Kühlschranks in der Küche lässt sich mit einem Strommessgerät ermitteln, das es für ca. 25 bis 50 Euro zu kaufen gibt. Energieversorger und Beratungsstellen verleihen es oft kostenlos. Genormte Verbrauchswerte für das anvisierte Neugerät sind vom Eurolabel abzulesen, das vorschriftgemäß auf allen Waschmaschinen, Trockner, Kühl- und Gefriergeräten, seit 1999 auch auf Spülmaschinen zu kleben hat. Bei einem Vergleich müssen aber die Normbedingungen beachtet werden. So sollte der selbst gemessene Verbrauchswert des Kühlschranks zu Hause auf die entsprechende Raumtemperatur umgerechnet werden. Auch dazu finden sich Tipps in der Broschüre der Energieagentur.
Hilfe beim Einkauf
Die Einteilung in die Kategorien A bis G, wie sie das Eurolabel vorsieht, kann nur einen sehr groben Anhaltspunkt für die Energieeffizienz eines Gerätes liefern. So soll zwar der Buchstabe ?A? Geräte auszeichnen, die weniger als 55 Prozent des marktdurchschnittlichen Verbrauches ihrer Bauart benötigen ? der entsprechende Grenzwert wurde aber schon vor einigen Jahren festgelegt. In der Zwischenzeit sind die Geräte sehr viel sparsamer geworden. Bei einigen Kühlgerätetypen ist die Gruppe A inzwischen so weit gespannt, dass sich die Konkurrenz nur noch hier abspielt, klärt der BDE auf. An der Anpassung der Grenzwerte wird bereits gearbeitet. Manche Hersteller weisen schon jetzt mit Begriffen wie ?Super A? oder ?A+? auf Kühlgeräte hin, die mindestens 25 Prozent weniger Strom verbrauchen, als der A-Grenzwert vorschreibt. Geräte der unteren Effizienzklassen E, F und G dürfen dagegen seit 1999 nicht mehr verkauft werden.
Anhand der auf dem Label angegebenen Kategorie können nur jeweils Geräte gleicher Bauart miteinander verglichen werden, nicht etwa Kühlschränke mit und ohne Sternefach untereinander oder Gefriertruhen mit Gefrierschränken, wobei ersteren unter dem Aspekt der Energieeinsparung der Vorzug zu geben ist: Manch B-Gefrierschrank braucht mehr Strom als eine gleichgroße D-Truhe, wobei Gefrierschränke aber komfortabler zu handhaben sind. Man sollte sich deshalb Zeit nehmen für den Einkauf und genau überlegen, was einem selbst wichtig ist.
Hilfestellung beim Einkauf gibt auch die Liste ?Besonders sparsame Haushaltsgeräte?: eine Aufstellung der bezüglich Strom und Wasser sparsamsten in Deutschland lieferbaren Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen und Trockner sowie Spülmaschinen mit ergänzenden Erläuterungen. Bei den verschiedenen Gerätetypen sind auf der Liste nicht nur die Sparversionen aufgeführt, sondern es wird auch ein mittlerer sowie ein hoher Verbrauch angegeben. Seit 1987 wird diese Marktübersicht vom Niedrig-Energie-Institut (NEI) im Auftrag des BDE erstellt und von Sponsoren finanziert.
Bislang erschien sie in aktualisierter Fassung alle zwei Jahre zur Messe ?Domotechnica?. Künftig soll die Datenbank laut Klaus Michael vom NEI anhand der Herstellermeldungen laufend aktualisiert werden. Schon jetzt gibt es die Möglichkeit, im Internet in der Datenbank (z.B. unter www.spargeraete.de) zu recherchieren. Bei etwa 80 Prozent der Produkte wird ein Verkaufspreis angegeben. Auf eine Auswahlmöglichkeit nach diesem Kriterium hat man aber, so Michael, bewusst verzichtet. Denn für Schnäppchenjäger ist die Zusammenstellung nicht gedacht.
Waschen, trocknen, spülen
Mehr Transparenz hilft dabei, den Absatz bei den Energie- und Wassersparmodellen am Markt weiter anzukurbeln. Hier hat sich nicht zuletzt dank technischer Fortschritte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viel getan. Beispiel Waschmaschine: Flossen Anfang der 80er Jahre noch etwa 150 Liter Wasser pro Trommelfüllung in den Abfluss, waren es in den Neunzigern nur noch 70 Liter und in den letzten zehn Jahren hat sich der Wasserverbrauch noch einmal halbiert. Es gibt intelligente, mit ?Fuzzy Logic? ausgestattete Maschinen, die über Sensoren, Mengenautomatik usw. mitdenken und mit Update-Programmen teilweise sogar ?lernen? können. Die Verschwender am Markt schlucken heute noch bis zu 15l Wasser pro Kilo Wäsche.
Die derzeit sparsamsten Geräte geben sich dagegen schon mit 7,8l pro Kilo zufrieden. Allerdings scheint man sich damit zumindest vorerst einer unteren Grenze anzunähern, soll das Waschergebnis nicht unter den Sparmaßnahmen leiden.
Weil der meiste Strom beim Waschen zum Erwärmen des Wassers benötigt wird, ist parallel zum Wasser- auch der Stromverbrauch allein in den letzten 10 Jahren um rund 20 Prozent gesunken, wie Anna Mai in der Zeitschrift ?Öko-Test? angibt (09/2002). Für die September-Ausgabe hat Öko-Test insgesamt mehr als 100 von den Herstellern selbst empfohlene Geräte miteinander verglichen, die der Energieeffizienzklasse ?A? (Grenzwert bei normalen Frontladern: 0,19 kWh pro Kilo Wäsche) angehören. Der geschätzte Jahresstromverbrauch für eine angenommene Wäschemenge von insgesamt 1000 kg lag bei allen um die 12 Euro. Mit im Feld befand sich die Quelle Privileg 7420, die auch beim Funktions- und Lebensdauertest der Stiftung Warentest (vgl. 8/2002) zum Testsieger und obendrein zum ?Preis-/Leistungs-Tipp? gekürt wurde.
Waschmaschine
Der Verkaufspreis von Waschmaschinen wird, neben technischen Raffinessen, auch von der maximalen Schleuderleistung maßgeblich mitbestimmt. Wer seine Wäsche in den Trockner geben möchte, sollte hier nicht zu sehr knausern. Denn je höher die Schleuderzahl ist, desto geringer ist die Restfeuchte der Wäsche. 1200 Umdrehungen pro Minute sollte das Gerät wenigstens schaffen (reduzierbar für empfindliche Stücke). Das spart Trockenzeit und Strom. Standard-Wäschetrockner erreichen derzeit höchstens die Energieeffizienzklasse C mit ca. 3,3 (Ablufttrockner) bzw. 3,4 (Kondensationstrockner) kWh Strom für 5 Kilo Wäsche im Programm ?Baumwolle schranktrocken?.
Um in die Klasse A aufzurücken, müssten sie rund 20 Prozent ihres Verbrauchs einsparen. Die erreichen nur wenige Sondermodelle wie gasbetriebene Ablufttrockner, Luft-Kondens-Trockner mit Wärmepumpen oder Kaltluft-Schranktrockner, in denen die Wäsche auf einem inneren Gestänge getrocknet wird, wofür jedoch viel Zeit nötig ist. Wer Platz hat, sollte der Wäscheleine in jedem Fall den Vorzug geben.
Geschirrspüler
Der Kauf eines Geschirrspülers dagegen spart nicht nur Zeit, sondern rechnet sich auch ökologisch zumindest in puncto Wasser- und Energieverbrauch, wenn man regelmäßig größere Mengen abzuwaschen hat. Strom wird auch hier hauptsächlich für das Erwärmen des Wassers verbraucht. Deshalb sollte man unter der Vielzahl von Programmen eine Einstellung wählen, bei der mit möglichst wenig Wasser bei möglichst geringer Temperatur gespült wird. Bei den Sparprogrammen braucht man allerdings Geduld: Damit die Maschine das Geschirr auch bei niedrigeren Temperaturen sauber wäscht, wird die Einwirkzeit des Reinigers verlängert, was Wartezeiten von zwei bis drei Stunden zur Folge haben kann. Höchstens 1,05 kWh darf ein Geschirrspüler (für 12 bis 14 Maßgedecke, 60 cm breit) verbrauchen, wenn ein ?A? auf seinem Eurolabel glänzen soll. Welches Programm er dabei zu Grunde legt, kann der Hersteller ? anders als bei Waschmaschinen ? selbst entscheiden. Daher sollte man in jedem Fall auch darauf achten, wie das Spülergebnis bewertet ist.
Vorsicht: Stromräuber
Kein Eurolabel gibt es für Geräte der Büro- und Unterhaltungselektronik. Was also tun, wenn man auch beim Fernseh-, Video- oder Radiogerät, dem Drucker oder dem PC auf Nummer sicher gehen will, keinen Stromfresser einzukaufen? Hier hilft die Gemeinschaft Energielabel Deutschland (GED; www.energielabel.de). Sie gibt vier Mal jährlich eine Liste der energieeffizientesten Geräte heraus, die am deutschen Markt erhältlich sind. Die Grenzwerte werden so festgesetzt, dass in den verschiedenen Typenklassen jeweils nur ca. 25 Prozent der aktuell käuflichen Modelle Aufnahme finden.
Wer bei Drucker, HiFi und Co. Strom sparen will, sollte vor allem eines nicht vergessen: sie in jedem Fall abzuschalten, wenn sie gerade nicht benötigt werden. Das Umweltbundesamt sah sich schon vor ein paar Jahren zu einer Aufklärungskampagne in Sachen ?Energieräuber? veranlasst, weil der Energieverbrauch durch Geräte im ?Leerlauf? ein beträchtliches Ausmaß angenommen hat: Die Haushalte verschwenden mittlerweile rund ein Zehntel ihres Stromverbrauchs auf diese Weise. Der Schlafmodus von HiFi-Anlage, TV- und Videogerät, aber auch die Uhr an der Waschmaschine und ähnliche ?Dauerbrenner? kosten einen durchschnittlich ausgestatteten Haushalt rund 440 kWh Strom im Jahr und damit etwa 70 Euro jährlich, heißt es in der Broschüre, die begleitend zu der Aktion erschienen ist. Wer besser bestückt ist und auch Satellitenempfänger, Anrufbeantworter oder Warmwasserspeicher sein eigen nennt, kommt problemlos auf den doppelten Betrag. Zusatzgeräte, die zwischen Steckdose und Gerät geschaltet werden, helfen sparen, wenn jemand zum Beispiel auf die Fernbedienung nicht verzichten will. Viele brauchen allerdings selbst etwas Strom.
Die optimale Lösung ist dies in der Regel nicht. Erheblichen Anteil am Stromfraß haben auch Transformatoren, ohne die viele der heute üblichen Geräte gar nicht ans Netz gehen könnten. Wer die Wahl hat, sollte einen sparsamen, wenn auch zunächst teureren Transformator kaufen. Oft ist er jedoch, für den Verbraucher unsichtbar, schon eingebaut. Egal ob innen oder außen: Ist der Hauptschalter des Geräts ? soweit überhaupt vorhanden ? nicht auf der Netz-, sondern auf der Niederspannungsseite angebracht, bleibt der Transformator auch nach dem ?Ausschalten? am Netz und zieht weiter Strom. Da heißt es Stecker ziehen oder mit schaltbaren Steckdosen und Steckerleisten für Abhilfe sorgen.
Es werde Licht ...
Einen Transformator haben auch viele der zur Zeit modernen Halogenlampen. Hier ist daher Vorsicht angebracht. Im Vergleich zu Energiesparlampen schneiden sie, wie auch herkömmliche Glühlampen, ohnehin schlecht ab. Beides sind sogenannte ?Temperaturstrahler?, die den Großteil der verbrauchten Energie im Wärme umsetzen. Nur etwa fünf Prozent verwandelt die Glühlampe in Licht, bei der Halogenlampe sind es rund acht Prozent. Energiesparlampen oder genauer Kompaktleuchtstofflampen sind dagegen sogenannte ?Entladungslampen? und mit weniger handlichen Leuchtstoff- oder Neonröhren eng verwandt. Ihr Wirkungsgrad ist etwa um den Faktor fünf höher als der von Glühlampen, so dass zum Beispiel eine Energiesparlampe von 11 oder 13 Watt eine Glühlampe von 60 Watt ersetzen kann.
Bei einem solchen Wechsel lassen sich rund 80 Prozent des Stromverbrauchs der Lampe und damit auch ihrer Stromkosten einsparen. Wenn man bedenkt, dass der Anteil der Beleuchtung am Stromverbrauch im Haushalt bei etwa acht Prozent liegt, lohnt sich das Rechnen in jedem Fall. Zumindest an den Stellen, wo das Licht häufig und vor allem lange angeschaltet bleibt, sollten Energiesparlampen eingeschraubt werden.
Hier machen sie sich trotz des hohen Anschaffungspreises schnell bezahlt, liegt ihre Lebensdauer doch bei etwa 8.000 bis 15.000 Stunden gegenüber lediglich 1.000 Stunden bei Glühlampen. Manche Hersteller gewähren mittlerweile sogar eine Garantie. Bei einem Kaufpreis von 10 Euro und drei Stunden Leuchtdauer täglich ist nach etwa zwei Jahren ein Plus auf dem Konto zu verbuchen. Ist die Einschaltzeit pro Tag kürzer als 20 Minuten, ist ein Austausch dagegen laut der Broschüre ?Viel Licht mit wenig Geld? der Energieagentur NRW nicht zu empfehlen.
Vermeintliche Schnäppchen in Form von Billiglampen erweisen sich nicht selten als Fehlkauf. Hinsichtlich Lebenszeit, Schaltfestigkeit und Lichthelligkeit bleiben sie hinter den Markenprodukten zurück. Das hat ein Test der Stiftung Warentest gezeigt (Test 8/98). Wer dagegen in den Anfangsjahren schlechte Erfahrungen mit Energiesparlampen gemacht hat und seitdem die Finger davon lässt, sollte ihnen eine zweite Chance einräumen.
Hauptmanko der Energielampen ist und bleibt ihr Quecksilbergehalt, der sie zuletzt zum Sondermüll bestimmt. Ansonsten haben die Lampen die viele Kinderkrankheiten hinter sich: Hochwertige Modelle mit elektronischen Vorschaltgeräten starten flackerfrei schon nach 0,5 bis 2 Sekunden, sorgen für flimmerfreies Licht und vertragen selbst häufiges An- und Ausknipsen, wenn man ihnen dazwischen ca. zwei Minuten zum Abkühlen gönnt.
Bei der Wohnatmosphäre braucht man keine Abstriche mehr zu machen: Energiesparlampen gibt es längst in den verschiedensten Formen und Größen sowie auch für kleine Fassungen, so dass sich für die meisten Leuchten etwas Passendes finden sollte. Bei den Farben hat man nicht nur die Wahl zwischen warmweiß, neutralweiß oder tageslichtweiß, sondern kann sich auch für Varianten wie ?Softrot oder ?Terrakotta? entscheiden. Nur dimmbar sind Energiesparlampen in der Regel nicht oder nur mit Zusatzgerät. Die Dulux EL Vario der Firma Osram wartet immerhin mit zwei verschiedenen Helligkeitsstufen auf. Schon seit ein paar Jahren gibt es auch ?intelligente? Lampen mit Sensoren, die sich je nach Umgebungslicht automatisch an- und ausschalten.
BUS im Haus
Wer das Ausschalten nicht nur von Lampen gern vergisst, dem könnte mit der BUS-Technik (Binary Unit System) geholfen werden (vgl. ausführlichen Bericht im BUND-Jahrbuch 2002). Dank Kabelvernetzung oder Funkverbindung denkt das intelligente Haus der Zukunft mit und schaltet zum Beispiel den Heizkörper automatisch auf Sparflamme, wenn die Sonne den Raum heizt oder im Winter versehentlich das Fenster offen stehen bleibt, stellt Warmwasser stets in der richtigen Menge und Temperatur bereit oder schaltet Wasch- und Geschirrspülmaschine dann ein, wenn die Warmwasserkollektoren auf dem Dach Energie liefern können. Zwar ist noch manches Zukunftsmusik. Marktreife Systeme sind aber schon vorhanden, und die Zahl der intelligenten Häuser wächst ...
Text: Alexandra Tyroller
Bild: Osram
bauen. wohnen. leben. www.homesolute.com
Rund Dreiviertel ihres Endenergieverbrauchs wenden deutsche Privathaushalte immer noch für ein behaglich warmes Zuhause auf. Dank besserer Wärmedämmung sowie effizienter Heizungs- und Lüftungstechnik wird dafür jedoch immer weniger kostbare Energie ?vergeudet?. Damit gewinnt der Anteil anderer Energie- bzw. Stromverbraucher im Haus an Bedeutung.
Besonders beim Einkauf von Elektro-Großgeräten wie dem Kühlschrank lohnt sich ein Vergleich nicht nur von Preisen. Denn selbst wenn Faktoren wie Qualität und Langlebigkeit außer Acht gelassen werden, kann sich ein auf den ersten Blick teureres Gerät durchaus rechnen: Der Bund der Energieverbraucher (BDE) warnt vor ?Stromfressern?, die im Laufe ihres 10- bis 15-jährigen Lebens Strom für bis zu 500,- Euro mehr verbrauchen als besonders sparsame Modelle.
Vor allem bei Geräten, die im Dauereinsatz sind, fallen selbst kleine Unterschiede im Bereich hinter dem Komma deutlich ins Gewicht: Benötigt ein Kühlschrank pro Tag nur 0,10 kWh mehr Strom, addiert sich dieser Betrag bei einem angenommenen Strompreis von 15 Cent pro kWh über eine Nutzungszeit von 15 Jahren auf rund 80 Euro hoch. An die Stromrechnung sollte man auch denken, ehe man ein geschenktes, gebrauchtes Gerät ans Netz anschließt. Die Mehrkosten für den Stromverbrauch können sich über die Jahre zu einem höheren Gesamtpreis summieren, als ein neues, sparsames Gerät gekostet hätte.
Tipps von Energieagentur
Hilfestellung bei solchen Fragen mit vielen Rechenbeispielen gibt die Broschüre ?Mehr Licht ... weniger Strom!? der Energieagentur NRW. Der Verbrauch des alten Kühlschranks in der Küche lässt sich mit einem Strommessgerät ermitteln, das es für ca. 25 bis 50 Euro zu kaufen gibt. Energieversorger und Beratungsstellen verleihen es oft kostenlos. Genormte Verbrauchswerte für das anvisierte Neugerät sind vom Eurolabel abzulesen, das vorschriftgemäß auf allen Waschmaschinen, Trockner, Kühl- und Gefriergeräten, seit 1999 auch auf Spülmaschinen zu kleben hat. Bei einem Vergleich müssen aber die Normbedingungen beachtet werden. So sollte der selbst gemessene Verbrauchswert des Kühlschranks zu Hause auf die entsprechende Raumtemperatur umgerechnet werden. Auch dazu finden sich Tipps in der Broschüre der Energieagentur.
Hilfe beim Einkauf
Die Einteilung in die Kategorien A bis G, wie sie das Eurolabel vorsieht, kann nur einen sehr groben Anhaltspunkt für die Energieeffizienz eines Gerätes liefern. So soll zwar der Buchstabe ?A? Geräte auszeichnen, die weniger als 55 Prozent des marktdurchschnittlichen Verbrauches ihrer Bauart benötigen ? der entsprechende Grenzwert wurde aber schon vor einigen Jahren festgelegt. In der Zwischenzeit sind die Geräte sehr viel sparsamer geworden. Bei einigen Kühlgerätetypen ist die Gruppe A inzwischen so weit gespannt, dass sich die Konkurrenz nur noch hier abspielt, klärt der BDE auf. An der Anpassung der Grenzwerte wird bereits gearbeitet. Manche Hersteller weisen schon jetzt mit Begriffen wie ?Super A? oder ?A+? auf Kühlgeräte hin, die mindestens 25 Prozent weniger Strom verbrauchen, als der A-Grenzwert vorschreibt. Geräte der unteren Effizienzklassen E, F und G dürfen dagegen seit 1999 nicht mehr verkauft werden.
Anhand der auf dem Label angegebenen Kategorie können nur jeweils Geräte gleicher Bauart miteinander verglichen werden, nicht etwa Kühlschränke mit und ohne Sternefach untereinander oder Gefriertruhen mit Gefrierschränken, wobei ersteren unter dem Aspekt der Energieeinsparung der Vorzug zu geben ist: Manch B-Gefrierschrank braucht mehr Strom als eine gleichgroße D-Truhe, wobei Gefrierschränke aber komfortabler zu handhaben sind. Man sollte sich deshalb Zeit nehmen für den Einkauf und genau überlegen, was einem selbst wichtig ist.
Hilfestellung beim Einkauf gibt auch die Liste ?Besonders sparsame Haushaltsgeräte?: eine Aufstellung der bezüglich Strom und Wasser sparsamsten in Deutschland lieferbaren Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen und Trockner sowie Spülmaschinen mit ergänzenden Erläuterungen. Bei den verschiedenen Gerätetypen sind auf der Liste nicht nur die Sparversionen aufgeführt, sondern es wird auch ein mittlerer sowie ein hoher Verbrauch angegeben. Seit 1987 wird diese Marktübersicht vom Niedrig-Energie-Institut (NEI) im Auftrag des BDE erstellt und von Sponsoren finanziert.
Bislang erschien sie in aktualisierter Fassung alle zwei Jahre zur Messe ?Domotechnica?. Künftig soll die Datenbank laut Klaus Michael vom NEI anhand der Herstellermeldungen laufend aktualisiert werden. Schon jetzt gibt es die Möglichkeit, im Internet in der Datenbank (z.B. unter www.spargeraete.de) zu recherchieren. Bei etwa 80 Prozent der Produkte wird ein Verkaufspreis angegeben. Auf eine Auswahlmöglichkeit nach diesem Kriterium hat man aber, so Michael, bewusst verzichtet. Denn für Schnäppchenjäger ist die Zusammenstellung nicht gedacht.
Waschen, trocknen, spülen
Mehr Transparenz hilft dabei, den Absatz bei den Energie- und Wassersparmodellen am Markt weiter anzukurbeln. Hier hat sich nicht zuletzt dank technischer Fortschritte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viel getan. Beispiel Waschmaschine: Flossen Anfang der 80er Jahre noch etwa 150 Liter Wasser pro Trommelfüllung in den Abfluss, waren es in den Neunzigern nur noch 70 Liter und in den letzten zehn Jahren hat sich der Wasserverbrauch noch einmal halbiert. Es gibt intelligente, mit ?Fuzzy Logic? ausgestattete Maschinen, die über Sensoren, Mengenautomatik usw. mitdenken und mit Update-Programmen teilweise sogar ?lernen? können. Die Verschwender am Markt schlucken heute noch bis zu 15l Wasser pro Kilo Wäsche.
Die derzeit sparsamsten Geräte geben sich dagegen schon mit 7,8l pro Kilo zufrieden. Allerdings scheint man sich damit zumindest vorerst einer unteren Grenze anzunähern, soll das Waschergebnis nicht unter den Sparmaßnahmen leiden.
Weil der meiste Strom beim Waschen zum Erwärmen des Wassers benötigt wird, ist parallel zum Wasser- auch der Stromverbrauch allein in den letzten 10 Jahren um rund 20 Prozent gesunken, wie Anna Mai in der Zeitschrift ?Öko-Test? angibt (09/2002). Für die September-Ausgabe hat Öko-Test insgesamt mehr als 100 von den Herstellern selbst empfohlene Geräte miteinander verglichen, die der Energieeffizienzklasse ?A? (Grenzwert bei normalen Frontladern: 0,19 kWh pro Kilo Wäsche) angehören. Der geschätzte Jahresstromverbrauch für eine angenommene Wäschemenge von insgesamt 1000 kg lag bei allen um die 12 Euro. Mit im Feld befand sich die Quelle Privileg 7420, die auch beim Funktions- und Lebensdauertest der Stiftung Warentest (vgl. 8/2002) zum Testsieger und obendrein zum ?Preis-/Leistungs-Tipp? gekürt wurde.
Waschmaschine
Der Verkaufspreis von Waschmaschinen wird, neben technischen Raffinessen, auch von der maximalen Schleuderleistung maßgeblich mitbestimmt. Wer seine Wäsche in den Trockner geben möchte, sollte hier nicht zu sehr knausern. Denn je höher die Schleuderzahl ist, desto geringer ist die Restfeuchte der Wäsche. 1200 Umdrehungen pro Minute sollte das Gerät wenigstens schaffen (reduzierbar für empfindliche Stücke). Das spart Trockenzeit und Strom. Standard-Wäschetrockner erreichen derzeit höchstens die Energieeffizienzklasse C mit ca. 3,3 (Ablufttrockner) bzw. 3,4 (Kondensationstrockner) kWh Strom für 5 Kilo Wäsche im Programm ?Baumwolle schranktrocken?.
Um in die Klasse A aufzurücken, müssten sie rund 20 Prozent ihres Verbrauchs einsparen. Die erreichen nur wenige Sondermodelle wie gasbetriebene Ablufttrockner, Luft-Kondens-Trockner mit Wärmepumpen oder Kaltluft-Schranktrockner, in denen die Wäsche auf einem inneren Gestänge getrocknet wird, wofür jedoch viel Zeit nötig ist. Wer Platz hat, sollte der Wäscheleine in jedem Fall den Vorzug geben.
Geschirrspüler
Der Kauf eines Geschirrspülers dagegen spart nicht nur Zeit, sondern rechnet sich auch ökologisch zumindest in puncto Wasser- und Energieverbrauch, wenn man regelmäßig größere Mengen abzuwaschen hat. Strom wird auch hier hauptsächlich für das Erwärmen des Wassers verbraucht. Deshalb sollte man unter der Vielzahl von Programmen eine Einstellung wählen, bei der mit möglichst wenig Wasser bei möglichst geringer Temperatur gespült wird. Bei den Sparprogrammen braucht man allerdings Geduld: Damit die Maschine das Geschirr auch bei niedrigeren Temperaturen sauber wäscht, wird die Einwirkzeit des Reinigers verlängert, was Wartezeiten von zwei bis drei Stunden zur Folge haben kann. Höchstens 1,05 kWh darf ein Geschirrspüler (für 12 bis 14 Maßgedecke, 60 cm breit) verbrauchen, wenn ein ?A? auf seinem Eurolabel glänzen soll. Welches Programm er dabei zu Grunde legt, kann der Hersteller ? anders als bei Waschmaschinen ? selbst entscheiden. Daher sollte man in jedem Fall auch darauf achten, wie das Spülergebnis bewertet ist.
Vorsicht: Stromräuber
Kein Eurolabel gibt es für Geräte der Büro- und Unterhaltungselektronik. Was also tun, wenn man auch beim Fernseh-, Video- oder Radiogerät, dem Drucker oder dem PC auf Nummer sicher gehen will, keinen Stromfresser einzukaufen? Hier hilft die Gemeinschaft Energielabel Deutschland (GED; www.energielabel.de). Sie gibt vier Mal jährlich eine Liste der energieeffizientesten Geräte heraus, die am deutschen Markt erhältlich sind. Die Grenzwerte werden so festgesetzt, dass in den verschiedenen Typenklassen jeweils nur ca. 25 Prozent der aktuell käuflichen Modelle Aufnahme finden.
Wer bei Drucker, HiFi und Co. Strom sparen will, sollte vor allem eines nicht vergessen: sie in jedem Fall abzuschalten, wenn sie gerade nicht benötigt werden. Das Umweltbundesamt sah sich schon vor ein paar Jahren zu einer Aufklärungskampagne in Sachen ?Energieräuber? veranlasst, weil der Energieverbrauch durch Geräte im ?Leerlauf? ein beträchtliches Ausmaß angenommen hat: Die Haushalte verschwenden mittlerweile rund ein Zehntel ihres Stromverbrauchs auf diese Weise. Der Schlafmodus von HiFi-Anlage, TV- und Videogerät, aber auch die Uhr an der Waschmaschine und ähnliche ?Dauerbrenner? kosten einen durchschnittlich ausgestatteten Haushalt rund 440 kWh Strom im Jahr und damit etwa 70 Euro jährlich, heißt es in der Broschüre, die begleitend zu der Aktion erschienen ist. Wer besser bestückt ist und auch Satellitenempfänger, Anrufbeantworter oder Warmwasserspeicher sein eigen nennt, kommt problemlos auf den doppelten Betrag. Zusatzgeräte, die zwischen Steckdose und Gerät geschaltet werden, helfen sparen, wenn jemand zum Beispiel auf die Fernbedienung nicht verzichten will. Viele brauchen allerdings selbst etwas Strom.
Die optimale Lösung ist dies in der Regel nicht. Erheblichen Anteil am Stromfraß haben auch Transformatoren, ohne die viele der heute üblichen Geräte gar nicht ans Netz gehen könnten. Wer die Wahl hat, sollte einen sparsamen, wenn auch zunächst teureren Transformator kaufen. Oft ist er jedoch, für den Verbraucher unsichtbar, schon eingebaut. Egal ob innen oder außen: Ist der Hauptschalter des Geräts ? soweit überhaupt vorhanden ? nicht auf der Netz-, sondern auf der Niederspannungsseite angebracht, bleibt der Transformator auch nach dem ?Ausschalten? am Netz und zieht weiter Strom. Da heißt es Stecker ziehen oder mit schaltbaren Steckdosen und Steckerleisten für Abhilfe sorgen.
Es werde Licht ...
Einen Transformator haben auch viele der zur Zeit modernen Halogenlampen. Hier ist daher Vorsicht angebracht. Im Vergleich zu Energiesparlampen schneiden sie, wie auch herkömmliche Glühlampen, ohnehin schlecht ab. Beides sind sogenannte ?Temperaturstrahler?, die den Großteil der verbrauchten Energie im Wärme umsetzen. Nur etwa fünf Prozent verwandelt die Glühlampe in Licht, bei der Halogenlampe sind es rund acht Prozent. Energiesparlampen oder genauer Kompaktleuchtstofflampen sind dagegen sogenannte ?Entladungslampen? und mit weniger handlichen Leuchtstoff- oder Neonröhren eng verwandt. Ihr Wirkungsgrad ist etwa um den Faktor fünf höher als der von Glühlampen, so dass zum Beispiel eine Energiesparlampe von 11 oder 13 Watt eine Glühlampe von 60 Watt ersetzen kann.
Bei einem solchen Wechsel lassen sich rund 80 Prozent des Stromverbrauchs der Lampe und damit auch ihrer Stromkosten einsparen. Wenn man bedenkt, dass der Anteil der Beleuchtung am Stromverbrauch im Haushalt bei etwa acht Prozent liegt, lohnt sich das Rechnen in jedem Fall. Zumindest an den Stellen, wo das Licht häufig und vor allem lange angeschaltet bleibt, sollten Energiesparlampen eingeschraubt werden.
Hier machen sie sich trotz des hohen Anschaffungspreises schnell bezahlt, liegt ihre Lebensdauer doch bei etwa 8.000 bis 15.000 Stunden gegenüber lediglich 1.000 Stunden bei Glühlampen. Manche Hersteller gewähren mittlerweile sogar eine Garantie. Bei einem Kaufpreis von 10 Euro und drei Stunden Leuchtdauer täglich ist nach etwa zwei Jahren ein Plus auf dem Konto zu verbuchen. Ist die Einschaltzeit pro Tag kürzer als 20 Minuten, ist ein Austausch dagegen laut der Broschüre ?Viel Licht mit wenig Geld? der Energieagentur NRW nicht zu empfehlen.
Vermeintliche Schnäppchen in Form von Billiglampen erweisen sich nicht selten als Fehlkauf. Hinsichtlich Lebenszeit, Schaltfestigkeit und Lichthelligkeit bleiben sie hinter den Markenprodukten zurück. Das hat ein Test der Stiftung Warentest gezeigt (Test 8/98). Wer dagegen in den Anfangsjahren schlechte Erfahrungen mit Energiesparlampen gemacht hat und seitdem die Finger davon lässt, sollte ihnen eine zweite Chance einräumen.
Hauptmanko der Energielampen ist und bleibt ihr Quecksilbergehalt, der sie zuletzt zum Sondermüll bestimmt. Ansonsten haben die Lampen die viele Kinderkrankheiten hinter sich: Hochwertige Modelle mit elektronischen Vorschaltgeräten starten flackerfrei schon nach 0,5 bis 2 Sekunden, sorgen für flimmerfreies Licht und vertragen selbst häufiges An- und Ausknipsen, wenn man ihnen dazwischen ca. zwei Minuten zum Abkühlen gönnt.
Bei der Wohnatmosphäre braucht man keine Abstriche mehr zu machen: Energiesparlampen gibt es längst in den verschiedensten Formen und Größen sowie auch für kleine Fassungen, so dass sich für die meisten Leuchten etwas Passendes finden sollte. Bei den Farben hat man nicht nur die Wahl zwischen warmweiß, neutralweiß oder tageslichtweiß, sondern kann sich auch für Varianten wie ?Softrot oder ?Terrakotta? entscheiden. Nur dimmbar sind Energiesparlampen in der Regel nicht oder nur mit Zusatzgerät. Die Dulux EL Vario der Firma Osram wartet immerhin mit zwei verschiedenen Helligkeitsstufen auf. Schon seit ein paar Jahren gibt es auch ?intelligente? Lampen mit Sensoren, die sich je nach Umgebungslicht automatisch an- und ausschalten.
BUS im Haus
Wer das Ausschalten nicht nur von Lampen gern vergisst, dem könnte mit der BUS-Technik (Binary Unit System) geholfen werden (vgl. ausführlichen Bericht im BUND-Jahrbuch 2002). Dank Kabelvernetzung oder Funkverbindung denkt das intelligente Haus der Zukunft mit und schaltet zum Beispiel den Heizkörper automatisch auf Sparflamme, wenn die Sonne den Raum heizt oder im Winter versehentlich das Fenster offen stehen bleibt, stellt Warmwasser stets in der richtigen Menge und Temperatur bereit oder schaltet Wasch- und Geschirrspülmaschine dann ein, wenn die Warmwasserkollektoren auf dem Dach Energie liefern können. Zwar ist noch manches Zukunftsmusik. Marktreife Systeme sind aber schon vorhanden, und die Zahl der intelligenten Häuser wächst ...
Text: Alexandra Tyroller
Bild: Osram
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